Bierstadt & Terrasson

22.07.11

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WIESBADEN-BIERSTADT

 

Bierstadt ist einer der östlichen Vororte der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Die ehemals selbständige Gemeinde, die am 1. April 1928 eingemeindet wurde, liegt unmittelbar östlich der Wiesbadener Innenstadt und hat ca. 12.500 Einwohner. Die ältesten Siedlungsspuren im Bierstadter Raum stammen aus der Steinzeit. Als "Birgidestad" wurde Bierstadt in einer Schenkungsurkunde vom 12. März 927 erstmals erwähnt. Der Ort ist eine Gründung irischer Mönche, die ihn nach der irischen Nationalheiligen Birgid benannten. Aus dem 11./12. Jahrhundert stammt die evangelische Kirche, die nicht nur die älteste Kirche Wiesbadens, sondern nach der aus der Römerzeit stammenden Heidenmauer in der Wiesbadener Innenstadt das zweitälteste Baudenkmal der Stadt überhaupt ist. Bierstadt gehörte in der Folge zu Nassau, unterlag aber zugleich starken Einflüssen des Erzbistums Mainz. Im Zuge der Reformation gelangte Bierstadt dann vollständig unter Nassauische Herrschaft. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zählte der Ort nur noch 17 Bürger. Die Bemühungen um einen Wiederaufbau wurden durch eine Feuersbrunst im Jahr 1691 zurückgeworfen; Mitte des 18. Jahrhunderts gab es aber wieder etwa 500 Einwohner. Mit dem Aufstieg Nassaus zum Herzogtum und der Säkularisierung der klösterlichen Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts kehrte eine Phase der Ruhe ein. Als Nassau im Jahr 1866 Teil Preußens wurde, machte sich die Nähe Wiesbadens immer stärker bemerkbar und führte zu einem Rückgang der Landwirtschaft zugunsten von Industrie und Kurwesen. Im Jahr 1905 hatte Bierstadt schon 3870 Einwohner. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Kontakte zum benachbarten Wiesbaden immer enger: Die Wasser-, Strom- und Gasversorgung Bierstadts erfolgte von Wiesbaden aus, und ab 1910 gab es eine Straßenbahnverbindung. Ab 1898 war geplant auf der Bierstadter Höhe einen großen Aussichtsturm zu errichten. Gebaut wurde aber nur 1910 ein hölzernes Provisorium, welches 1918 abgerissen wurde. Am 1. April 1928 wurde Bierstadt schließlich nach Wiesbaden eingemeindet. Im Dritten Reich wurde auch Bierstadt vom Nationalsozialismus dominiert. So wurde am 9. November 1938 auch die aus dem Jahr 1827 stammende Bierstadter Synagoge zerstört. Im Zweiten Weltkrieg wurde Bierstadt von einigen Bombenangriffen getroffen und zu weiten Teilen zerstört oder beschädigt. Nach dem Krieg fand eine große Zahl von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen ihre neue Heimat in Bierstadt, so dass der Stadtteil auf 7000 Einwohner anwuchs. Außerdem wurden auf Bierstadter Gemarkung etwa 1800 Wohnungen für die amerikanischen Besatzungstruppen errichtet. Im Jahr 1970 war Bierstadt dann bereits auf 12.000 Einwohner angewachsen. In Bierstadt gibt es eine Bücherei, eine Grundschule (Grundschule Bierstadt mit ihren beiden Standorten Hermann-Löns-Schule und Robert-Koch-Schule) und eine Gesamtschule (Theodor-Fliedner-Schule). Eine Vielzahl von Vereinen bündelt sportliche und kulturelle Aktivitäten. Bierstadt übt als größter der östlichen Vororte in gewissem Umfang zentralörtliche Funktionen aus. So ist die Ortsverwaltung auch für die Vororte Erbenheim, Igstadt, Kloppenheim und Heßloch zuständig; außerdem verfügt Bierstadt über eine Vielzahl unterschiedlicher Geschäfte und Gaststätten. Industrie gibt es in Bierstadt nicht, lediglich ein kleineres Gewerbegebiet. In einem neuen Gewerbegebiet am östlichen Ortsrand siedeln sich seit 2006 die ersten Betriebe an. Ebenfalls am östlichen Ortsrand findet man mehrere Baumschulen und Großgärtnereien, von denen einige schon zur Kaiserzeit betrieben wurden. Freitags nachmittags findet auf dem Platz vor der evangelischen Kirche ein kleiner Wochenmarkt statt. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist die kommerzielle Pferdehaltung. Kein anderer Wiesbadener Ortsteil weist so viele Pferdestellplätze und -Gatter auf wie Bierstadt. Bierstadt hat 797 Gewerbebetriebe (11,7 % prod. Gewerbe / Handwerk, 16,7 % Einzelhandel, 56,6 % Dienstleistung; Stand 1. Januar 2005). Die Eigenheimquote (Anteil 1-2 Familienhäuser) von 67,3 % unterstreicht die relativ hohe Kaufkraftquote je Einwohner (22.505 Euro, Stand 2005). Über die Neuigkeiten aus Bierstadt informieren monatlich die Bierstadter Nachrichten. Vorläuferin dieser Zeitung, die mittlerweile über Anzeigen finanziert und kostenlos an alle Haushalte verteilt wird, war die seit 1901 erscheinende Bierstadter Zeitung.

 

 

TERRASSON

    

„Terrasson La Villedieu

Chef-lieu de Canton.

Carrefour de trois régions

Périgord Limousin Quercy“

 

 

„Terrasson La Villedieu

Kantonshauptort

Kreuzungspunkt dreier Regionen

Périgord Limousin Quercy“

 

                           

So stellt sich selbstbewusst auf den offiziellen Briefköpfen diese Stadt von über 6.000 Einwohnern vor, die sich außerdem „Tor zum Périgord und zum Tal der Vézère“ nennt, am östlichen Rand des Départements Dordogne liegt und von der unbequemen Nationalstraße N 89, die Bordeaux mit Lyon verbindet, durchschnitten wird. Die Stadtregierung setzt damit einen Akzent: Terrasson ist eine offene Stadt, ist Durchgangsort, Kreuzungspunkt. Terrasson an der Kreuzung der Autobahnen A 20 und (der noch zu verwirklichenden) A 89 will Schwerpunkt sein, nicht nur in seinem Kanton, auch für das nähere Umland.

 

Geschichte

 

Der Überlieferung nach hat der Heilige Sour (oder Sore oder Sorus), ein Einsiedlermönch, im 6. Jahrhundert nach Christus auf dem Gebiet der heutigen Stadt Terrasson ein Kloster gegründet. In den Jahrhunderten, die der Gründung folgten, wurde das Kloster, das den Namen Genouillac bis etwa 900 trug, mehrfach geplündert und wiederaufgebaut, von Äbten, Grafen und anderen Herren, Angehörigen mächtiger Familien regiert, die in zahllose Streitigkeiten und bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt waren.1236 wird Terrasson von der Königin Blanche de Castille zur Gemeinde erhoben, es erhält einen Stadtrat und einen Schultheiß. Zwischen dem Steilhang, auf dem die Abtei liegt, und dem Fluss verläuft in Ost-West-Richtung die alte Römerstraße, deren Trasse dann die Nationalstraße 89 folgt, die erst 1977 auf die andere Flussseite verlegt wird. In der Nord-Süd-Richtung befand sich unterhalb der Abtei eine Furt durch die Vézère, bevor an dieser Stelle im 12. Jahrhundert die heute noch bestehende „Alte Brücke“ errichtet wurde. Die Lage als Durchgangsstation vom Limousin zum Périgord und als Kreuzungspunkt am Fluss hat Terrasson nach allen Seiten geöffnet, aber auch dazu beigetragen, dass es im Laufe der Zeiten geplündert und verwüstet wurde. Die Stadt wurde um 1800 Kantonshauptort und entwickelte sich im 19. Jahrhundert am linken Ufer der Vézère, nach dem 2. Weltkrieg vorwiegend auf dem rechten Ufer. Der notwendig gewordene Zusammenschluss der vorher selbständigen Gemeinden Terrasson und La Villedieu erfolgte 1962.

 

Gegenwart

 

 Die Landwirtschaft des Gebiets um Terrasson ist gekennzeichnet durch Nussbäume, Tabakfelder, Geflügelzucht und gemischten Feldfrüchteanbau. Die Industrie hat in Terrasson eine lange Tradition. Davon zeugen die alten Braunkohlengruben in Le Lardin und Cublac, die allerdings nicht besonders einträglich waren. Die Glasfabriken von Brardville (benannt nach dem Ingenieur Cyprien Brard, geschlossen 1936) und Terrasson (geschlossen 1954) boten zu ihrer Zeit wichtige Arbeitsplätze. In den 20er Jahren entstand die Papierfabrik von Condat, heute das bedeutendste Unternehmen des Départements, an der Stelle, wo sich vorher die Gerberei des Lyoner Fabrikanten Gillet befand, die ihrerseits auf den Braunkohlegruben von Le Lardin errichtet worden war. Zahlreiche Produktionsstätten und Unternehmen sind im Lauf der Zeit im Raum Terrasson entstanden, eine Entwicklung, die bis heute andauert. Die Produkte reichen von Papiererzeugnissen über Kautschukderivate (mit zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten, auch in der Automobilherstellung), Plastikwaren zu Lebensmittelkonserven, Holzwaren und handwerklichen Erzeugnissen. Die Transportunternehmen runden das Bild ab. Was das Gastgewerbe angeht, litt Terrasson bis in die 90er Jahre an einem unzureichenden Angebot, inzwischen haben sich aber neue Betriebe angesiedelt, alte modernisieren sich. Der Einzelhandel mit seinen Lädchen und unabhängigen Gewerbetreibenden muss sich wachsam mit der Anziehungskraft der kaum 20 Kilometer entfernten Stadt Brive auseinandersetzen. Schließlich ist Terrasson dank seines Willens, sich nach außen zu öffnen, mit Gemeinden in Deutschland, Belgien und den Niederlanden verschwistert. Partnerschaften mit Städten in Südeuropa sind geplant. Die Städtepartnerschaften stellen zweifellos einen wichtigen Beitrag zur europäischen Einigung dar.

 

 

 

 

 

http://www.ville-terrasson.com/

 

 

 

 

 

 

 

 

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Stand: 20.02.10